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Das ist keine Grippe!

Influencer oder Influenza? Was nervt wohl mehr? Darüber und über die absurde Welt der Social Media-Werbekörper diskutieren für das Literaturhaus Hannover Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt

Kennt den Unterschied zwischen Influenza und Influencern: Podcaster und Autor Ole Nymoen

Ja, was ist das denn nun? Modernes Teleshopping ohne Möglichkeit direkt zu bestellen? Eine Art Dauerwerbesendung? Sind das Models oder kann das weg? Und was sollen eigentlich diese ganzen Rabatt-Codes? Ja, Instagram ist mittlerweile eine absolute Werbeplattform geworden. Ganz gleich, ob Hausmann und Hausfrau, Väter und Mütter, Teilzeit-Blogger*in oder ehemalige Topmodel-Kandidatin – sie alle sind nun Influenza. Nein, wartet, Influencer. Sie beeinflussen, sie bringen keine Grippeviren. Sie sind allerdings oftmals genauso lästig. Meist erzählen sie einem, dass sie natürlich nur Produkte bewerben, hinter denen sie selbst auch vollkommen stehen. Und nicht selten müssen sie die kostenlosen Proben der Firmen mit einem Auto von der Post abholen, weil der Berg längst nicht mehr in einen Rucksack passen würde. Wer gerne etwas professioneller wirken möchte, sagt dazu übrigens einfach „Presse-Sample“, auch wenn man gar keinen Artikel darüber schreibt, sondern sich nur mit Creme XY geschmeidig live das Gesicht eincremt und davon spricht, dass der Tiegel „definitiv seine 80 Euro wert ist“. Ja, meine Lieben, das ist die Welt der Sozialen Medien. Das sind Influencer*innen.

So richtig angenehm stelle ich mir das berufliche Leben einer Influencerin allerdings nicht vor. Dauernd online sein, dauernd mein Gesicht in die Kamera halten? Grundgütiger! Und wer mehr von seinem Privatleben zeigt, der erlangt auch eine höhere Reichweite. Nicht selten sind übrigens schon einige Influencer-Sternchen in epische Fettnäpfchen getreten und mussten danach zahlreiche Follower*innen einbüßen. Schwarze Stunden, denn der Verlust schlägt sich auch direkt im Geldbeutel nieder. Ich persönlich mag ja nicht einmal ein Selfie von mir posten. Der Druck, der auf Influencer*innen lastet, wäre also schlicht und ergreifend nichts für mich. Fraglich ist auch, was die ganzen Online-Werbesäulen dann machen, wenn sich entweder das Modell totgelaufen hat oder sie nicht mehr in die tragbare Altersklasse passen? Wie und wo bewirbt man sich dann? Denn nicht alle können umsatteln auf eine eigene Modelinie oder eine Ratgeber-Karriere anstreben. Nein, das klingt mir alles einfach zu stressig.

Wolfgang M. Schmitt und Ole Nymoen sind beide zumindest fachlich zu Hause in der Welt der Influencer*innen. Nymoen studiert Soziologie und Wirtschaftswissenschaften und diskutiert in regelmäßigen Abständen mit Schmitt im eigenen Podcast „Wohlstand für alle“ vor allem über ökonomische Themen. Gemeinsam haben sie die Welt der Influencer*innen erforscht und dazu im Suhrkamp Verlag unter dem Titel „Influencer – Die Ideologie der Werbekörper“ sogar ein eigenes Buch herausgebracht. Für das Literaturhaus Hannover haben sie sich gemeinsam vor die Kamera gewagt und über die neue Form der Werbung diskutiert. Mit viel Humor, aber eben auch mit viel Fachwissen ist ein ganz fantastisches und vor allem mehrwertiges Video entstanden, dass derzeit in der Mediathek des Literaturhauses [1] anzusehen ist.

Montag, 19. April 2021:
„Die Influencer-Show“, mit Ole Nymoen & Wolfgang M. Schmitt, eine Online-Veranstaltung [1] des Literaturhaus Hannover, Beginn jederzeit möglich, Eintritt frei

(Foto: Pressefoto/Literaturhaus Hannover/Eileen Dibowski)

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