Susanne Viktoria Haupt
5. Mai 2021

Von der rituellen Gabe zum Schimpfwort

Das Literaturhaus Hannover sendet ein Podcast zur Vortragsreihe „Position und Stimme des Opfers: Eine Figur zwischen Selbstbehauptung, Instrumentalisierung und Verstummen“

Sprache im Wandel: Auch der Begriff des „Opfers“ hat seine Reise hinter sich. Beleuchten wird das die Vortragsreihe „Position und Stimme des Opfers“

„Ey, du Opfer“ hört man hin und wieder auf der Straße. Meistens mit einem Augenzwinkern, manchmal aber auch als Schimpfwort gemeint. Im allgemeinen Sprachgebrauch kennen wir natürlich einige Variationen von Opfer. Zum Beispiel das religiöse Opfer, das im Rahmen von Riten dargebracht wird. Oder aber auch das Opfer einer Gewalttat. Auch im Schach kennt man den Begriff des Opfers, wenn eine Spielfigur zu Gunsten der eigenen Strategie bereitwillig aufgegeben wird. Ein Opfer ist also stets ein leidtragendes Objekt oder ein leidtragender Mensch. Heutzutage kennen wir in Bezug auf das Opfer von Gewalttaten vor allem auch den Begriff „Victim blaming“. Das bezeichnet den Umstand, dass beispielsweise einer Frau, die sexuell belästigt oder gar vergewaltig wurde, unterstellt wird, dass sie auf Grund ihres Verhaltens oder ihrer Kleidung doch selbst schuld an den an ihr begangenen Taten sei. Um nur eines der unzähligen fürchterlichen Beispiele des „Victim blamings“ zu nennen. Das Opfer hat also in seiner Begriffsentwicklung eine kuriose Reise zurückgelegt. Sozusagen von der rituellen Gabe zum Schimpfwort und zur eigentlicher Ursache des Übels.

Im Rahmen eines Forschungskolloquiums der Leibniz Universität Hannover werden die verschiedenen Positionen des Opfers nun beleuchtet. Das Schöne daran ist, dass hier die gesamte Spannbreite der Kulturwissenschaften zum Einsatz kommen und sich interdisziplinär ideal verflechten kann. Egal ob Philosophie, Geschichtswissenschaften, Literaturwissenschaften oder aber die Religionswissenschaften – sie alle haben etwas zur kulturwissenschaftlichen Betrachtung und Begriffsreise des Opfers beizutragen. Um die Thesen und Hypothesen auch für alle Außenstehende verfügbar zu machen, werden die Ergebnisse im Rahmen eines Podcasts aufbereitet und in Kooperation mit dem Literaturhaus Hannover bereitgestellt. Die Vortragsreihe „Position und Stimme des Opfers: Eine Figur zwischen Selbstbehauptung, Instrumentalisierung und Verstummen“ wird entsprechend ab heute in der Mediathek des Literaturhauses zu finden sein. Geleitet wird die Vortragsreihe von Saskia Fischer und Matthias Lorenz, die beide am Deutschen Seminar der Leibniz Universität tätig sind. Bühne frei also für eine kulturwissenschaftliche Rundum-Betrachtung des Opfers.

Mittwoch, 5. Mai 2021:
Podcast zur Vortragsreihe „Position und Stimme des Opfers: Eine Figur zwischen Selbstbehauptung, Instrumentalisierung und Verstummen“, ein Podcast der Leibniz Universität Hannover, mit Unterstützung des Literaturhauses Hannover, abrufbar in der Mediathek des Literaturhauses Hannover, Beginn jederzeit möglich

(Foto: Screenshot/Digitales Wörterbuch der Deutschen Sprache)

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Kategorien: Literatur, Politik, Tagestipps

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