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Für mehr Sichtbarkeit

Heute beginnt die Veranstaltungsreihe „1700 Jahre jüdische Kultur in Deutschland“ im Live-Stream der Staatsoper

Mit der Veranstaltungsreihe „1700 Jahre jüdische Kultur in Deutschland“ wird die facettenreiche Geschichte jüdischen Lebens nachgezeichnet

Wenn wir heute allgemein über jüdisches Leben in Deutschland sprechen, dann beziehen wir uns meist auf den fürchterlichen Holocaust und den Umstand, dass wir das Ausmaß dieses Grauens niemals vergessen dürfen. Ja, Erinnerungskultur ist ein elementarer Eckpfeiler unserer Gesellschaft. Sowohl die guten, wie auch die grausamen Erinnerungen müssen bewahrt werden und das wollen wir an dieser Stelle gar nicht in Frage stellen. Aber wenn wir über jüdisches Leben in Deutschland sprechen, dann dürfen und sollten wir auch über die Gegenwart und die Zeit vor dem Holocaust diskutieren. Denn jüdische Kultur hat in Deutschland eine 1700 Jahre lange Geschichte. In Hannover wurde beispielsweise die erste Zuwanderung zweier Juden 1577 genehmigt. Bereits im Mittelalter war die Lage der jüdischen Gesellschaft alles andere als einfach. Unter Martin Luther, dem vermeintlich großen Reformator, herrschte eine stark antisemitische Stimmung. Da sich Jüd*innen nun mal nicht zum christlichen Glauben bekehren lassen wollten, machte Luther offen Stimmung gegen sie. Und das ist selbstverständlich nur ein winziger Ausschnitt aus der Geschichte jüdischer und antisemitischer Kultur in Deutschland.

Aber wie steht es um das jüdische Leben heutzutage? In zahlreichen Interviews geben Jüd*innen immer noch an, dass sie große Angst haben, sich in der Öffentlichkeit zu ihrer Herkunft und zu ihrem Glauben zu bekennen. Antisemitismus ist leider immer noch ein Thema und scheint in den vergangenen Jahren sogar noch zugenommen zu haben. Jüdisches Leben existiert, aber von Sichtbarkeit kann nicht die Rede sein. Kein Wunder, denn einige Stimmen aus der jüdischen Gemeinschaft haben berechtigterweise schon häufiger beklagt, dass hier entweder Unsichtbarkeit, oder aber komplette Anpassung erwartet wird.

Der Verein Jüdisches Leben in Deutschland e.V. unterstützt daher die Veranstaltungsreihe „1700 Jahre jüdische Kultur in Deutschland“, die unter anderem von der Staatsoper Hannover ausgerichtet wird. In der heutigen Auftaktveranstaltung geht es genau um dieses Thema: „Jüdische Kultur zwischen Assimilation und Koexistenz. Gemeinsam mit der Journalistin und Autorin Shelly diskutieren der Dichter und Essayist Max Czollek, Dr. Felix Klein, der seit 2018 Beauftragter für der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland ist, Laura Berman, die Intendantin der Staatsoper, und Eliah Sakakushev-von Bismarck von der Villa Seligmann.

Sonntag, 16. Mai 2021:
„Zwischen Assimilation und Koexistenz. 1700 Jahre jüdische Kultur in Deutschland“, Podiumsdiskussion im Live-Stream [1], Staatsoper Hannover, Beginn: 11 Uhr, Eintritt: 5 bis 35 Euro

(Foto: Pressefoto/Staatsoper Hannover)

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