Cosma Jo Gagelmann
7. Juni 2021

Ein hannoversches Lexikon, als Reiseführer getarnt

Seitenansicht: „Hannover von A bis Z – Der alternative Reiseführer“ von den Nachtbarden

Hannover von A bis Z

Die Nachtbarden haben einen hannoverschen Reiseführer geschrieben, der die Landeshauptstadt aus ganz besonderen Perspektiven zeigt

Die Nachtbarden haben ein Buch veröffentlicht. Einen Reiseführer über Hannover. Dürfen die das und wer sind die überhaupt? Die Nachtbarden bestehen aus Ninia LaGrande, Tobias Kunze, Kersten Flenter und Johannes Weigel. Sie fügten sich im Jahr 2007 zu einer Lesebühne zusammen. Ninia LaGrande, in Hannover geboren und 2011 in die Stadt zurückgekommen, ist Moderation, Autorin und Podcasterin. Außerdem hat sie 2020 den Stadtkulturpreis Hannover gewonnen. Tobias Kunze ist ein Tausendsassa im Bereich Poetry Slam und hat von seinen Kolleg*innen drei Texte gewidmet bekommen, die ihn in seiner vielfältigen Vollkommenheit mit all seinen Besonderheiten bestens beschreiben. Kersten Flenter, in Hannover geboren und 1987 zurückgekommen, publiziert seit 1992 Texte, gehört zum Duo Flenter & Knop, ist der Lindener Lokal-Dichter und steht noch für viele andere kulturelle Projekte. Johannes Weigel wiederum lebt seit 1995 in Hannover und ist Geograf. Neben diesem Beruf ist er Singer/Songwriter, Quizmaster, Sänger und Gitarrist. Diese vier unterschiedlichen Menschen harmonieren als Nachtbarden super zusammen. Ihr Spielort ist das Theater am Küchengarten, in dem sie zu normalen Zeiten einmal im Monat zu ihrer Lesebühne einladen. Sie beschäftigen sich mit Texten, Musik und auch Kurzfilmen. In jeder Ausgabe gibt es einen prominenten Gast. Im Jahr 2015 wurden sie für ihre skurrile Lesebühne mit dem Kabarettpreis „Fohlen von Niedersachsen“ ausgezeichnet.

Wer, wenn nicht die Nachtbarden, könnten also eine Art Reiseführer über ihre Lieblingsstadt Hannover schreiben? Das haben sie sich auch gedacht, sich zusammengesetzt, geschrieben und schließlich ein gemeinsames Werk veröffentlicht. Gewidmet ist das Buch Matthias Göke. Der Veranstalter, Verleger und Kulturliebhaber, liebevoll als „hannoversches Original“ bezeichnet, war ein Mitinitiator der Nachtbarden und verstarb Anfang des Jahres.

Zum Auftakt des Buches gibt es zum Einstimmen auf die Thematik ein Gedicht über Hannover. Das Inhaltsverzeichnis ist simpel, da es für jeden Buchstaben ein Kapitel gibt und man sich von A bis Z allerlei interessante Informationen über Hannover zusammenlesen kann. Es gibt Kapitel, die Dinge beschreiben, die jede*r kennt, wie die Altstadt, das Ihme-Zentrum, den Maschsee und den Zoo. Die interessantesten Kapitel sind jedoch die, die die Barkarole thematisieren, den Calenberger Pfannenschlag, Rosebusch Verlassenschaften oder Victory, also Dinge und Orte, die man als junge Hannoveraner*in nicht unbedingt kennt oder lediglich mal von ihnen gehört hat. Spannend ist auch, dass nicht ausgezeichnet ist, welche*r Nachtbard*in welches Kapitel geschrieben hat.

Wenn man die Nachtbarden kennt, ahnt man aber, welche Person den jeweiligen Text geschrieben hat. In jedem Fall ist das Buch von vorne bis hinten amüsant, unterhaltend und auch informativ. Wenn man sich durch alle Buchstaben des Alphabets durchgelesen hat, gibt es noch einen Bonus für die, die sich mit einigen hannoverschen Begriffen noch mehr befassen wollen: den „Hannover-Glossar“. Er erklärt Begriffe wie „Bratwurst Glöckle, Elli-Eck und limmern“. Manche werden diese Begriffe schon kennen, aber die Nachtbarden haben noch einige interessante Neologismen wie „luthern, meyerarlten, maschmeyern und wullfen“ hinzugefügt.

Zusammenfassend ist „Hannover von A bis Z – Der alternative Reiseführer“ ein Reiseführer der anderen Art. Da es viele hannoversche Reiseführer gibt, ist es sehr erfrischend, mal ein aus der Norm gefallenes Werk zu lesen. Wenn man sich als Hannoveraner*in oder auch Tourist*in auf dieses außergewöhnliche Buch einlässt, kann man sehr viel aus dem scheinbar unendlichen hannoverschen Wissen der Nachtbarden schöpfen. Außerdem hat man aber selbstverständlich auch ganz bald schon wieder die Möglichkeit, die Nachtbarden live zu sehen, um noch mehr interessante Fakten und Geschichten über die Landeshauptstadt Niedersachsens herauszufinden.

Lesebühne Nachtbarden: „Hannover von A bis Z – Der alternative Reiseführer“, 140 Seiten, Blaulicht Verlag, ISBN: 978-3-941552-53-1, 9,90 Euro

(Foto: Buchcover)

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Kategorien: Literatur

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