Anny Bader
25. Mai 2021

Aufräumen im Punk

Musik x Feminismus: Die Riot Grrrl-Bewegung hat in den 1990er-Jahren den Weg für Musikerinnen freigemacht

„Riot grrrls never die, every girl is a riot grrrl“: Bikini Kill gehören zu den Pionierinnen der Riot Grrrl-Bewegung

Die Riot Grrrl-Bewegung erlebte ihre Hochphase von Anfang bis Mitte der 1990er-Jahre in Washington/USA. Während der Grunge, eine Mischung aus Punk, Alternative-Rock und Metal, immer größer wurde und die rebellischen Jungs emporhob, fühlten sich Frauen* unverstanden. Die wenigen weiblichen Bands spielten auf deutlich kleineren Bühnen und wurden von ihren männlichen Kollegen für lächerlich erklärt. Sexismus-Vorwürfe wurden ebenso wenig ernst genommen, wie Frauen* auf Konzerten. Egal ob vor oder auf der Bühne – für sie war eigentlich kein Platz. 1976 schrieb das Londoner Punk-Fanzine: „Punks are not girls“. Da Fanzines, Magazine von Fans für Fans, seinerzeit – das Internet war noch nicht prägend – sehr populär waren, kristallisierten sich in nun auch Antworten auf die sexistische Punk-Szene heraus. Feministische Fanzines, die zeigen wollten, dass auch Frauen* auf der Bühne stehen. Kathleen Hanna, Kathi Wilcox, Tobi Vail und William „Billy“ Karren gründeten 1990 eine Band, die sie nach ihrem eigens verfassten Fanzine benannten: Bikini Kill. Ihr Song „Rebel Girl“ wurde zur Hymne der Riot Grrrl-Bewegung.

Bikini Kill, später Kathleen Hannas Projekt Le Tigre, Bratmobile, Sleater-Kinney, Huggy Bear, Team Dresch, Babes in Toyland, 7 Year Bitch, L7, Heavens to Betsy und viele mehr – sie alle sind und waren Teil der subkulturellen Riot Grrrl-Bewegung. Sie forderten Gleichberechtigung und Zusammenhalt und wurden zu einer weltweiten popkulturellen Bewegung, die Frauen* zur Teilhabe an Musik ermutigte. Die rebellischen Aktivistinnen kleideten sich aufreizend, Bikini Kill schrieben sich bei einem Auftritt „Slut“ auf den Bauch, um auf das Problem des Slut-Shamings aufmerksam zu machen. Der Style der Riot Grrrls hielt sich meistens girly, mit Lippenstift, Kleidchen und High Heels.  Während die Riot Grrrls Ende der 1990er langsams abflauten, schlossen sich immer mehr All-Girl-Bands zusammen. Riot Grrrl hatte Raum geschaffen, der den Raum für Bands wie die Spice Girls, Sugababes, Atomic Kitten und andere mutigen Frauen* weltweit ebnete. Mediale Aufmerksamkeit und kommerzieller Erfolg war allerdings nie das Ziel von Riot Grrrl. Es ging ihnen viel mehr darum, dass sich Musikerinnen gegenseitig unterstützen.

Der Grundstein ist seit 1990 gelegt und auch heute berufen sich Musikerinnen weltweit auf die Riot Grrrl-Bewegung. Etwa die feministische Rapperin Peaches oder Beth Ditto von Gossip, die beide seit den Neunzigern musikalisch aktiv sind. Bikini Kill lösten sich zwar 1997 auf, schlossen sich 2019 für einige Auftritte aber wieder zusammen und kündigten eine Nordamerika-Tour für 2020 an, die aufgrund von Covid-19 erstmal verschoben werden musste. Auch Bratmobile, Sleater-Kinney, Le Tigre und Team Dresch bestehen noch. „Riot grrrls never die, every girl is a riot grrrl“, gilt noch immer als Schlachtruf der Riot Grrrls. Die Bewegung bleibt bestehen – und auch dreißig Jahre nach ihrer Gründung gilt es, den Sexismus in der Musikbranche zu bekämpfen.

Unsere Riot Grrrl & Feminism-Playlist:
Riot Grrrl & Feminism auf Spotify

(Foto: Ralph_PH/Flickr/Copyright: CC BY-SA 2.0)

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Kategorien: Musik, Politik

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