Kathrin Tegtmeier
21. Juni 2006

„Es macht einfach Spaß“

Über das Schreiben: Die hannoversche Autorin Katja Merx im Gespräch

Katja Merx liest auf der langeleine-release-party

Noch entspannt, bald unter Strom: Katja Merx kommt zur langeleine-Release-Party

„Das war eine spontane Idee. Ich habe mich einfach an den Schreibtisch gesetzt und geschrieben. Es kam mir einfach in den Kopf.“ Und weil ihr das auch noch Spaß machte, hat Katja Merx weiter geschrieben. Das war im September 2004. Dass Katja Merx mit ihren Kurzgeschichten seitdem auf dem richtigen Weg ist, ist daran zu erkennen, das sie in den rund anderthalb Jahren ihrer Autorenkarriere einiges geschafft hat.

So kam es in Merx‘ rasanter Karriere zu Veröffentlichungen in der Anthologie „Wenn der Schmerz nachlässt, ist es am schönsten“. Dann folgte die erste eigene Lesung im Dezember 2005, die auch gleich auf der Hörbuch-CD „Der ganz normale Wahnsinn zwischen Gummibärchen und Vinyl“ festgehalten wurde. Und last but not least gewann Merx im März 2006 den hannoverschen Poetry Slam „Macht Worte!“. Auch wenn sie den Titel im Juni nicht verteidigen konnte, war ein zweiter Platz aller Ehren wert.

Katja Merx

Wundert sich über ihren Erfolg: Katja Merx

Von der Sozialpädagogin zur Kurzgeschichten-Autorin

Die Ambition zum Schreiben überkam Katja Merx erst spät. Nach dem Studium hatte sie zunächst einfach das Gefühl, etwas völlig anderes machen zu wollen. Doch in der Folge erwies sich der Berufseinstieg für die studierte Sozialpädagogin als schwierig. Dann kamen drei Kinder und es blieb wenig Zeit. Trotzdem hielt sie am Schreiben fest, denn dieses ist ihre Leidenschaft. Und mittlerweile schreibt sie nicht nur Kurzgeschichten, sondern ist auch journalistisch für das Magazin „Stadtkind“ tätig.

Mit dem Erfolg ihrer Kurzgeschichten hat die 33-Jährige nicht gerechnet. „Ich habe einfach ohne Ziel im Kopf geschrieben. Ich hatte eine Idee und dann kam mir der Gedanke, dass ich nun etwas dazu schreiben muss.“ In dieser Phase hat sie auch Sublit, Hannovers Forum für subkulturelle Literatur, entdeckt. Dort hat sie einige ihrer Texte veröffentlicht und bekam ein durchweg positives Feedback. Das spornte Katja Merx an: „Ohne dieses Forum hätte ich wahrscheinlich nicht weiter gemacht!“ Die Kontakte blieben nicht nur virtuell, denn viele von den Aktiven hat sie auch persönlich kennengelernt. Dass sie nun ihre Heimat gefunden hat, merkt man ihr im Gespräch an.

Katja Merx liest

Nachdenklich und schwarz-humorig: Katja Merx

Aus dem Internet auf die Bühne

Wie kurz der Weg vom Internet-Forum auf die Lesebühne sein kann, sollte die Autorin bald erfahren. Im Zuge der Präsentation ihrer ersten Texte musste die Autorin natürlich auch lesen. Trotz Aufregung hat sie schnell festgestellt, dass das Lesen Spaß macht. Die nächsten Auftritte ließen nicht lange auf sich warten. Bei einer Lesung in der „Fliegenköpfe“-Lesereihe von Matthias Goeke entstand schließlich eine Hörbuch-CD: „Der ganz normale Wahnsinn zwischen Gummibärchen und Vinyl“. Auch über den hannoverschen Tellerrand hat Katja Merx schon geschaut: „Es hat sich alles verselbständigt und wird immer mehr“, sagt sie lächelnd.

Poetry Slam oder Lesung und das Gefühl auf der Bühne

Katja Merx hat bisher an drei Dichterwettstreits, den sogenannten Poetry Slams, teilgenommen. Trotzdem will sich die sympathische Literatin noch nicht als „Slammerin“ oder Wettkampfdichterin bezeichnen. Sie mag diese Art der Veranstaltung, bei der das Publikum den Abendsieger wählt. „Obwohl alles nur Spiel ist, ist da trotzdem ein Konkurrenzdruck. Das macht den gewissen Kitzel aus“, betont Merx. Mit dem Druck scheint sie jedoch keine Probleme zu haben. Denn als sie beim Poetry Slam im März als letzte Starterin auf die Bühne musste, konnte sie das Publikum für sich gewinnen. Trotzdem war ihre einzige Sorge, dass der Babysitter anruft, um sie nach Hause zu holen. „Gott sei Dank hat er nicht angerufen“, sagt sie lächelnd.

Katja Merx von oben

Katja Merx schreibt Geschichten in bunt – nicht in schwarz-weiß

Die zierliche Autorin hat festgestellt, dass Poetry Slams genau der richtige Ort für lustige und laute Geschichten sind. Doch soviel Spaß das macht, Katja Merx möchte auf keinen Fall auf ernsthafte Lesungen verzichten. Ansonsten würde eine Facette von Literatur wegfallen: „Manchmal ist es ein komisches Gefühl, vor nur zehn Leuten zu lesen. Aber dann muss man sich halt sagen, ok, die interessieren sich für dich und die sind hier, weil sie deine Texte hören wolllen.“ Grundsätzlich möchte sie beides nicht missen, denn sie findet es immer aufregend auf der Bühne zu stehen, und es macht ihr „einfach großen Spaß“.

Wann Katja Merx zum Schreiben kommt, kann sie gar nicht sagen: „Mal schreibe ich nur eine halbe Seite, bis ich die Kinder aus dem Kindergarten abholen muss – ein anderes Mal schreibe ich nur eine Seite, und irgendwann kommt der Rest.“ Typisch für ihre Kurzgeschichten ist die Verbindung von Komik und Tragik sowie der schwarze Humor, der den Leuten manchmal das Lachen im Halse stecken lässt.

Nicht verpassen:

Katja Merx ist am 23. Juni zu Gast auf der langeleine-Release-Party. Die 33-Jährige hat einen mitreißenden Mix ihrer besten Kurzgeschichten im Gepäck.

Katja Merx: www.fiesematentin.de

(Fotos: Pressefotos)

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Kategorien: Literatur, Menschen

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