Susanne Viktoria Haupt
3. Januar 2011

Durch die Walachei

Seitenansicht: „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf

Wolfgang Herrndorf: “Tschick”, Buchcover

Wolfgang Herrndorf: „Tschick“, Roman, 256 Seiten, Rowohlt Berlin, ISBN-13: 978-3871347108, 16,95 Euro

Mit 13 oder 14 hat man normalerweise noch eine ganze Menge Träume. Bei Maik, der in Hellersdorf lebt und eigentlich gut situiert ist, sieht das längst ganz anders aus: Während sein Vater mit seiner Sekretärin und Liebhaberin Mona auf Geschäftsreise geht, sonnt sich die Mutter mal wieder in der Entzugsklinik. Maik hingegen schlürft seine Fanta alleine am villeneigenen Pool, denn nach Freunden kann er mit der Lupe suchen. Eine Wende tritt ein, als er eines Tages Tschick trifft, einen Russlanddeutschen, der es zwar bis auf Maiks Gymnasium geschafft hat, aber trotzdem nicht gerade ein Beispiel für gelungene Integration darstellt. Weil es zu zweit leichter ist, gegen alle Unbill dieser Welt anzukommen, ensteht schnell eine innige, wenn auch etwas chaotische Freundschaft. Und pünktlich zu den Sommerferien steht Tschick mit einem geklauten Auto vor Maiks Tür, denn seine Restfamilie ist über ganz Osteuropa verstreut…

Unverblümt und mit authentischem Jargon reißt der 1965 in Hamburg geborene Autor Wolfgang Herrndorf seine Leser in einen Strudel aus Situationskomik und mitfühlenden Passagen und lässt seine Romanhelden ein in dieser Form unglaubliches Roadmovie durchleben. Ein Roman zum immer wieder Lesen, Weitergeben und ans Herz legen.

„Seitenansicht – die Kritik zum Einstecken“ erscheint in Kooperation mit der Buchhandlung Decius, wo sie als Postkarte erhältlich ist.

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Kategorien: Literatur

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