Jörg Smotlacha
20. September 2021

Das große Schweigen

Von Verdrängung und Schuld: Im Literarischen Salon der Uni Hannover liest heute Eva Menasse aus ihrem neuen Roman „Dunkelblum“

Eva Menasse: "Dunkelblum"

Wenn niemand dabei gewesen sein will: Eva Menasse: „Dunkelblum“

In der Nacht vom 24. auf den 25. März 1945 wurden rund 180 jüdische Zwangsarbeiter*innen im österreischen Burgenland erschossen, und zwar in der Marktgemeinde Rechnitz. Die Täter gehörten zu den Teilnehmer*innen eines Kameradschaftsabends der NSDAP. Graf und Gräfin Batthyány hatten hierzu ins Schloss Rechnitz eingeladen. Dass das Ganze bis heute rumort, hat damit zu tun, dass Österreich und seine Bewohner*innen bis heute nichts von ihrer Schuld wissen mögen. Selbiges kennt man aus Deutschland, aber auch aus Frankreich, aus Dänemark, den Niederlanden oder Polen. Niemand mag dabeigewesen sein, wenn die eigenen Einwohner*innen massakriert worden sind.

Die Schriftstellerin Eva Menasse hat das Thema in ihrem neuen Roman „Dunkelblum“ nun aufgegriffen und mit dem titelgebenden Ort ein österreichisches „Modellstädtchen“ entworfen, „das Gott zusammen mit dem Teufel gebaut hat zur Mahnung an alle“. Die Autorin, die seit einigen Jahren in Berlin lebt, weil ihr Österreich zu eng geworden ist, schimpft über ihre ehemalige Heimat, deren „Bevölkerung ab dem Mai 45 von nichts gewusst“ hat „und weinerlich das erste Opfer gewesen sein wollte“. Aber das Ganze ist natürlich viel komplexer. Moderator Joachim Otte verspricht im Literarischen Salon der Universität Hannover hauet Abend im Gespräch mit der Autorin Licht ins Dunkelblum zu bringen.

Montag, 20. September 2021:
„Dunkelblum“, Lesung mit Eva Menasse, Literarischer Salon der Universität Hannover, Conti-Foyer, Leibniz Universität Hannover, Königsworther Platz 1, 30167 Hannover, Beginn: 20 Uhr, Eintritt: 10 Euro, ermäßigt: 6 Euro

(Foto: Pressefoto/Literarischer Salon/J. Bauer)

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Kategorien: Literatur, Tagestipps

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