Roman Kansy
21. September 2021

Palästinensisches Weltkino

Im Apollo-Kino läuft mit „Gaza mon amour“ eine charmante Komödie über einen älteren Fischer, der nach Jahren der stillen Beobachtung endlich seiner großen Liebe seine Gefühle offenbaren will

„Gaza mon amour“: Ein zarter Film mit politischem Fundament

Es ist ein doch eher seltenes Phänomen, dass sich die Filmschätze des nahen Ostens in unsere westlichen Kinos verirren. Vielleicht ist es die Skepsis vor dem Unbekannten, vielleicht ein ohnehin gesättigter Filmmarkt oder der fehlende Mut zur Innovation im Kino des Immergleichen, vielleicht auch etwas ganz anderes. Die Gründe dafür mögen so vielfältig sein, dass sich eine Spekulation fast von selbst erübrigt. Wie dem auch sei, der Sprung ins Neue wird oft belohnt. „Gaza mon amour“ wurde von den beiden Regisseuren und Zwillingsbrüdern Tarzan und Arab Nasser im Gazastreifen angesiedelt. Der Film ist kleines Abenteuer und zarte Liebesgeschichte zugleich. Protagonist ist der 60-jährige Junggeselle Issa (Salim Dau), der mit seinem einfachen, aber beschaulichen Leben soweit zufrieden ist. Nachts ist er Fischer, tagsüber bietet er seine Fänge mit wenig Geschick auf dem Markt zum Kauf an. Mit seinem Leben als Einzelgänger hatte er so lange keine Probleme, bis er sich in Siham (Hiam Abbass) verguckte, die wegen Issas zurückhaltender Art bisher keine Notiz von ihm nahm.

Siam arbeitet als Schneiderin ebenfalls auf dem Markt und hat mit ihrer schroffen Art schon einige Interessenten vergrault. Bis auf Issa, der seine Herzdame bis jetzt nur aus der Distanz anhimmelt. Als er jedoch eines Nachts einen beachtlichen Fang einholt, beginnt die Zeit zu drängen. Es ist eine antike Bronze-Statue des Gottes Apollo, die sich in seinen Netzen verfängt. Das pikante Detail der Statue ist ein erigierter Penis, der zu allem Überfluss den Transport nicht unbeschadet übersteht. Issa wird klar, dass jetzt Eile geboten ist. Bevor die Sittenpolizei des Gaza-Streifens von dem Fund erfährt und er Gefahr läuft, in die Maschinerie der Behörden zu geraten, hat er nur ein Ziel: Seiner Siham endlich von seiner Zuneigung zu ihr zu berichten.

Bei aller Herzlichkeit bietet „Gaza mon amour“ keine unpolitischen Plattitüden. In den persönlichen Begegnungen und dem alltäglichen Leben der Figuren scheinen überall reale Herausforderungen durch. Straßensperren, die passiert werden müssen, behördliche Kontrollen oder die allgegenwärtige unzuverlässige Stromversorgung spiegeln das Leben im Gazastreifen authentisch wieder. „Gaza mon amour“: die feinfühlige Liebeskomödie und kritische Gesellschaftssatire läuft heute Abend im Apollo Kino.

Dienstag, 21. September 2021:
„Gaza mon amour“, Film von Tarzan und Arab Nasser, Palästina/Frankreich/Deutschland/Portugal/Katar 2021, 88 min., Apollo-Kino, Limmerstraße 50, 30451 Hannover, Beginn: 20.15 Uhr, Eintritt: 8 Euro, ermäßigt: 7 Euro

  • weitere Aufführung:
  • Donnerstag, 4. November, 18 Uhr

(Foto: Pressefoto/Filmplakat)

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Kategorien: Film, Tagestipps

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