Susanne Viktoria Haupt
31. März 2011

„Das Dasein ist Inspiration genug“

Beim Kulturkiosk von langeleine.de gastiert das hannoversche Poetry-Duo Herbstbirken mit einer nachhaltigen Melange aus Text- und Tonwelten. Zeit für ein Interview

herbstbirken, hier mit Blume

Mit Blume in der Hand, aber ohne Blatt vor dem Mund: Herbstbirken

langeleine.de: maYa, Du kommst ja ursprünglich von der Live-Lesebühne, Wolfgang hat sein Herz hingegen voll und ganz der Musik verschrieben. Wie habt Ihr zwei musikalisch und textlich zueinander gefunden?

maYa Birken: Wir haben uns über Myspace gefunden und waren gegenseitig sofort von den Sachen des jeweils anderen beeindruckt – das lässt sich schön in unseren Gästebuch-Einträgen nachlesen. Ich habe Wolfgang dann mit seiner Band Emmapeel für meine Lesereihe in der Nordstadt gebucht und bei der Planung hatte ich die Idee, ihn zu fragen, ob er Lust hat, etwas mit mir zusammen zu machen. Ich war schon länger auf der Suche nach einem Musiker, der sich meiner Texte annehmen würde. Zu dem Zeitpunkt habe ich mich aber noch nicht getraut, ihn zu fragen. Das Schicksal nahm seinen Lauf: Wir fanden nicht nur unsere Arbeit gut, sondern auch gleich den ganzen Rest und so wurden wir ein Paar. So hatte ich dann bald auch den Mut, diesen umwerfenden Künstler nach einer Zusammenarbeit zu fragen.

Wolfgang Herbst: Ich habe mir maYas Live-Lesungen auf ihrer Myspace-Seite angehört und war total begeistert. Da habe ich ihr quasi meine musikalische Unterstützung im Bedarfsfall aufgedrängt.

ll: Was war bei Euch zuerst da – die Poesie oder die Musik?

Herbst: Meistens war die Poesie der Ausgangspunkt. maYa liest mir ihre Sachen vor und ich improvisiere drauflos, bis wir irgendwann das Richtige haben. Meistens stellt sich schnell heraus, ob die Idee etwas taugt oder ob wir es gleich wieder wegscheißen. Es gab allerdings auch schon den umgekehrten Fall – bei „Lauras Lied“ kam ich mit dem Musikfragment daher und maYa hat den Text dazu geschrieben. Und da mische ich mich dann auch wenig ein. Bei einzelnen Formulierungen sage ich vielleicht: „Das gefällt mir noch nicht“.

Birken: Sowohl als auch. Es ist ein Prozess. Mal hab ich einen Text, mal hat Wolfgang eine Melodie, mal haben wir einfach nur eine Idee und fangen irgendwo an. In jedem Fall entwickeln wir die Sachen immer gemeinsam weiter. Ich schreibe meine Texte um, damit sie harmonischer in die Sound-Strukturen passen und habe auch Ideen, wie es musikalisch klingen soll. Wolfgang steuert manchmal textlich etwas dazu, und ich versuche mich mit Freude an dem ein oder anderen Instrument wie Glockenspiel, Melodika oder Klavier. Das ist für mich ein ganz toller Effekt, da Musik immer eine sehr große Rolle in meinem Leben gespielt hat.

herbstbirken

Gut gewappnet: maYa Birken und Wolfgang Herbst aka herbstbirken

ll: In welchen Situationen sollte man Eure Kompositionen am besten genießen?

Herbst: Wenn man sich seelisch stabil fühlt.

Birken: In Situationen, in denen man Muße hat, zuzuhören. Meine Texte sind oft melancholisch, allerdings auch in den meisten Fällen voller Hoffnung auf Wandlung. Möglicherweise regen unsere Stücke auch zum Austausch an. Ich arbeite zwar mit einer direkten Sprache, finde aber die meisten Themen zu komplex, um eine eindeutige Aussage zu machen. Ich mag es, wenn Leute sagen, meine Texte gingen Ihnen unter die Haut. Ich möchte, dass die Zuhörer etwas Bleibendes mitnehmen. Sei es ein Gefühl, ein Gedanke oder eine bestimmte Zeile.

ll: Welche Dinge inspirieren Euch und wie und wo findet Ihr Eure Themen?

Birken: Lustigerweise finde ich die meiste Inspiration nicht in Büchern, sondern in Musik. Ich habe schon so manchen Text im Geist begonnen, während ich ein Konzert besucht habe. Zum „Ahninnengesang“ haben mich zum Beispiel Songs von Le Tigre und Heather Nova inspiriert. Ansonsten ist das Dasein Inspiration genug – mal als Beobachterin, mal bin ich selbst mittendrin.

Herbst: Die Themen meiner Texte sind in erster Linie autobiographisch. Ich finde es schwierig, fiktive Sachen zu schreiben, selbst bei großer Empathiefähigkeit. Musikalisch finde ich sie überall: am Klavier, mit dem Field-Recorder unterwegs, am Bass oder auf einem alten Banjo.

ll: Literatur bedeutet für Euch…

Herbst: Sich den Geschichten und Sichtweisen anderer Menschen zu öffnen. Sprache und Musik so zu kombinieren, dass etwas völlig Neues entstehen kann. Worte für das Unaussprechliche zu finden.

ll: Auf welche Themenreisen werdet Ihr die sehnsuchtserfüllten Herzen beim Kulturkiosk mitnehmen?

Herbstbirken: Es geht um ganz große Themen in unserem ganz kleinen Alltag: um Liebe, um Angst, den Tod und um die Lebensfreude. Und auch um den Spaß, den uns das ganze Projekt Herbstbirken und das gemeinsame Auftreten macht.

Nicht verpassen:

Herbstbirken sind am Freitag, dem 8. April, beim Kulturkiosk von langeleine.de zu Gast und präsentiertieren prosaisch-musikalische Beobachtungswelten zum Nachsinnen und Mitfühlen.

(Fotos: Pressefotos)

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Kategorien: Literatur, Menschen, Musik

Ein Kommentar

  1. Name sagt:

    unfreiwillig komisch.

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