Susanne Viktoria Haupt
5. April 2011

Vilterprozess

Elektro-Folk in Indie-Reinform: Wolfgang Herbst stellt beim Kulturkiosk von langeleine.de sein Debüt-Album vor. Ein Interview

Wolfgang Herbst

Mann mit musikalischen Visionen: Wolfgang Herbst

langeleine.de: Wolfgang, beim Kulturkiosk bist Du ja gleich zweimal vertreten. Einmal als Solo-Künstler und einmal in Formation mit maYa Birken. Was unterscheidet die zwei Projekte musikalisch und inhaltlich voneinander?

Wolfgang Herbst: Die Projekte sind grundverschieden. Bei Herbstbirken stammen alle Texte von maYa und die Musik spielt eine eher untergeordnete Rolle. Es geht darum, die Stimmung der Worte zu transportieren. Bei meinem Solo-Projekt schreibe ich alle Texte selbst und es gibt feste Songstrukturen. Die Musik ist viel elektronischer und komplexer arrangiert und manchmal sogar tanzbar.

ll: Beim Kulturkiosk lädst Du ja zur Release-Party Deines Debüt-Albums „Vilter“. Was steckt hinter dem Albumtitel?

Herbst: Der Titel „Vilter“ hat mich fasziniert, weil das ein so universeller Begriff ist. Das geht ja meistens schon in den Morgenstunden beim Kaffeekochen los. Unser ganzes Leben ist ein einziger Vilterprozess. Wir selektieren ständig, mehr oder weniger bewusst, was wir wahrnehmen wollen und was wir lieber ausblenden möchten. Jeder Mensch hat sozusagen sein individuelles „Vilter-Setup“ laufen. Dieses Thema zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Album. Insbesondere was die subjektive Wahrnehmung der Wirklichkeit angeht. Natürlich habe ich auch an Zensur gedacht. An das Filtern von Informationen. An musikalische Gleichschaltung und Meinungsmache durch die Massenmedien. Das sind hochaktuelle Themen, die uns alle täglich betreffen. Und nicht zuletzt ist „Vilter“ auch das gesamtmusikalische Konzept des Albums. Wenn Du es hörst, merkst Du, mit wie vielen elektronischen Filtern wir rumgespielt haben. Das hat großen Spaß gemacht. Für die ungewöhnliche Schreibweise habe ich mich entschieden, weil der Buchstabe V schon rein optisch an einen Filter erinnert. Und die entsprechende Domain war auch noch verfügbar…

ll: Wie lange hast Du an dem Album gearbeitet und wie würdest Du selbst Deinen musikalischen Stil beschreiben?

Herbst: Die Arbeit am Album hat gute zwei Jahre gedauert. Ich habe ja das meiste selbst gespielt. Bis auf das Schlagzeug. Das sollen Menschen machen, die es können. Stilistisch ist es auf jeden Fall ein Indie-Album. Schrullig und verspielt, würde ich sagen. Ich habe auch schon den Begriff „Elektro-Folk“ verwendet, weil beide Elemente wirklich stark vertreten sind. Am schönsten hat es maYa Birken mit ihrer Cover-Illustration dargestellt: ein Baum, dessen Wurzelgeflecht in Kabelstränge übergeht. Das trifft es auf den Punkt: Akustik küsst Elektronik auf gleichberechtigter Ebene.

Albumcover “Vilter”

Wolfgang Herbsts Debüt-Album „Vilter“, Cover

ll: Welche Dinge beeinflussen Dich beim Songwriting?

Herbst: Das ist immer total verschieden. Mal ist es eine Textzeile. Mal eine interessante Klangfarbe oder einfach nur eine Gemütsverfassung. Schlafentzug kann auch helfen.

ll: Gibt es musikalische Vorbilder, die Dich besonders inspirieren?

Herbst: Na klar gibt es die. Und die wechseln ständig. Aber ich denke The Notwist werde ich zum Beispiel auch in zehn Jahren noch großartig finden.

ll: Auf was darf sich das geneigte Publikum beim Kulturkiosk einstellen?

Herbst: Auf den fulminanten Ralf Heuer von Emmapeel am Schlagzeug und mich an den verschiedensten Instrumenten. Hochmotiviert und energiegeladen. Wir wollen natürlich nicht einfach nur stumpf das Album runterspielen, sondern werden zu den Songs auch kleine, skurrile Filme zeigen, und es werden zudem ganz neue Titel im Programm sein. Wir freuen uns drauf!

Nicht verpassen:

Am Freitag, den 8. April, präsentiert Wolfgang Herbst beim Kulturkiosk von langeleine.de sein Debüt-Album „Vilter“ – charismatisch, melancholisch und bewegend.

(Fotos: Pressefotos)

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Kategorien: Menschen, Musik

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