Susanne Viktoria Haupt
18. April 2011

Quickie zwischen Plattenbauten

Seitenansicht: „Jamuna“ von Jamuna Devi

“Jamuna”, Buchcover

Jamuna Devi: „Jamuna“, Roman, 154 Seiten, Eichborn, ISBN-13: 978-3821861586, 14,95 Euro

Jamuna ist 16 Jahre alt und lebt in Berlin-Neukölln. Zwischen Plattenbauten und ethnisch-komplexer Herkunft versucht sie, das Beste aus ihrer Lage zu machen. Durch ihre plakative Sexualität verdreht sie vielen Männern den Kopf. Nur ihrem Fitnesstrainer nicht, der ihr doch immer so lange an den Hintern fasst. Ihre Mutter hat womöglich ein Verhältnis mit einem Jüngeren und ihr Vater möchte beim Billard das große Geld machen. Eines Tages allerdings verspielt er sich und steht nun mit 3.000 Euro Schulden da. Die hübsche Jamuna ist bereit, die Last zu tilgen, und sucht den Ausweg in der Prostitution. Dafür macht sie sich zwei Jahre älter und heuert bei einem Escort-Service an.

Die Autorin, deren Pseudonym Jamuna Devi lautet, soll Mitte 20 sein und in Berlin leben. Mehr ist nicht zu erfahren. Kontakt zur neuen literarischen Perle haben nur der Lektor und die Agentin. Nach Helene Hegemanns Skandal-Roman „Axolotl Roadkill“ treten immer mehr junge Autoren auf, um ihre ganz persönlichen Jugendsünden zu verarbeiten. Ob „Jamuna“ autobiographische Züge enthält, mag aber nicht einmal der Verlag beurteilen. Festzuhalten bleibt: „Jamuna“ ist ein nett gemeinter Quickie mit mal echt und mal unecht wirkenden Schilderungen der Berliner Szene sowie einem großen Thema: die überschwängliche Sexualität bei unseren adoleszenten Mitbürgern.

„Seitenansicht – die Kritik zum Einstecken“ erscheint in Kooperation mit der Buchhandlung Decius, wo sie als Postkarte erhältlich ist.

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Kategorien: Literatur

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