Susanne Viktoria Haupt
2. Mai 2011

Surreale Erzählungen, charmant bis grotesk

Seitenansicht: „Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes“ von Clemens J. Setz

“Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes”, Buchcover

Clemens J. Setz: „Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes“, Erzählungen, 350 Seiten, Suhrkamp, ISBN-13: 978-3518422212, 19,90 Euro

Eines Tages wuchsen Lilly Flügel. Das machte ihr Angst und deswegen schnitt sie die Flügel ab und spülte sie in der Toilette herunter. Doch die Flügel wuchsen nie wieder nach, so sehr Lilly es sich auch wünschte. Dabei sah es aus, als wären diese einmaligen Extremitäten ihre große Chance gewesen. Letztere lebt nun in den Abflusskanälen dieser Welt. Und dann wäre da der kuriose Besuch eines Schriftstellers im Bestattungsinstitut. Scheinbar möchte er seiner toten Mutter die letzte Ehre erweisen, doch dann nimmt er nur ihre zum Gebet gefalteten Hände wieder auseinander…

Die beiden ungewöhnlichen Kurzgeschichten sind Teil des Erzählbandes „Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes“ von Clemens J. Setz. Mal surreal, mal hautnah an den Protagonisten, immer intensiv und charmant bis grotesk, lässt der österreichische Autor seine skurrilen Geschichten über die Buchseiten laufen. Man kann den Stil des neuen literarischen Wunderkindes kafkaesk nennen, die Leser dürfen sich treiben lassen. Setz, geboren 1982 in Graz, wurde bereits mit seinem Debüt „Söhne und Planeten“ für den Aspekte-Literaturpreis nominiert, mit der Novelle „Die Waage“ gewann er den Ernst-Willner-Preis. Sein zweiter Roman „Die Frequenzen“ erhielt eine Nominierung für den Deutschen Buchpreis.

„Seitenansicht – die Kritik zum Einstecken“ erscheint in Kooperation mit der Buchhandlung Decius, wo sie als Postkarte erhältlich ist.

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Kategorien: Literatur

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