Jörg Smotlacha
22. Juni 2011

Good Glory Hallelujah!

Mit einem Best Of feiert Der Kulturkiosk am 24. Juni sein fünfjähriges Jubiläum. Zu Gast sind unter anderem die beiden Cowboys Kramer & Houston, deren Interview aus dem Juni 2008 zu den Highlights in der an Höhepunkten nicht armen Kulturkiosk-Geschichte gehört

Kramer & Houston

Country, Western & Gasoline: Kramer & Houston aus Godshorn, Texas

Wenn man nach Godshorn kommt, einem kleinen Kaff weit vor den Toren unserer lieblichen Landeshauptstadt, dann ahnt man, dass man am Ende der Welt angelangt ist. Kurz vor den endlosen Weiten der niedersächsischen Prärie, an einem Ort, wo sich Hase und Igel noch gemeinsam die Kugel geben. Hier gehen die Saloon-Türen nur nach innen auf, und wer sich einmal für einen Doppelkorn entschieden hat, kommt nie wieder raus. Doch good old Godshorn ist auch Heimat-County von Kramer & Houston, einer ganz und gar unglaublichen Country-Kapelle, um die sich schon nach kürzester Zeit Legenden ranken, bei denen der gute alte John Wayne blass geworden wäre. Grund genug für uns, Mr. Kramer und Mr. Houston kurz vor High Noon am Ortseingang zu treffen und die beiden Cowboys mit ein paar Fragen zu löchern.

langeleine.de: Well, Jungs, Ihr geltet als Band, die ihre Instrumente schneller zupft als ihr Schatten – wie kam es zum Zusammentreffen solch außergewöhnlicher Charaktere wie Kramer, Houston, Hank und Rodeo?

Kramer: Hm, tja… (spuckt einen dicken Batzen Kautabak aus) …mein Sohn, das ist eine lange Geschichte… (wird von Houston unterbrochen)

Houston: Also, die Story ist eigentlich schnell erzählt… (Houston verstummt)

ll: Ihr alle seid seit vielen Jahren als Musiker aktiv und spielt in diversen Bands. Woher kam für Euch die Inspiration, für Kramer & Houston in staubige Western-Boots zu steigen?

Kramer: Die Stiefel waren zuerst da, soweit ich mich erinnere. Als Musiker waren wir sowieso immer Outlaws, egal welchen Stil wir bevorzugten oder in welchen Bands wir spielten. Die Band Kramer & Houston hat sich ursprünglich auf Hanks Farm aus Anlass seines Geburtstages gegründet. In jedem von uns schlummerte bereits ein kleiner Pferdedieb, ein Falschspieler oder Viehhirte. Wir tauschten einfach die elektrischen gegen die akustischen Instrumente und schon stand alles Kopf in Hanks kleiner Scheune.

Houston: Ja, wir waren immer schon „Falschspieler“, besonders im Bezug auf die Beherrschung von Musikinstrumenten…

Kramer & Houston

„Gebrochene Nasen sind normal“: Kramer & Houston 1876 mit Calamity Jane und der Oma von Jesse James

ll: Schon die Blues Brothers konnten ja bekanntlich beides – Country und Western. Was habt Ihr darüber hinaus zu bieten?

Kramer: Wir bieten gewagte Interpretationen von Songs aus ganz unterschiedlichen Bereichen und plündern auch in neueren Charts.

Houston: Yeah, die neueren Charts… Besonders ältere Fans sind immer wieder geschockt, wenn Songs von nach 1972 gespielt werden. Die denken dann oft, sie wären schon tot.

ll: Wie darf man sich die Bandproben bei Kramer & Houston vorstellen? Und wie erreicht Ihr Euren Übungsraum in Zeiten zunehmender Postkutschenüberfälle?

Kramer: Die Überfälle sind nicht das Problem. So eine Kutsche erledigen wir innerhalb kürzester Zeit. Aber wir kommen oft verspätet zu den Proben, weil Rodeo und Hank immer wieder mit den Kutschern über tiefergelegte Chassis, verbreiterte Kotflügel und frisierte Zugpferde fachsimpeln. Die Proben laufen in der Regel recht ruhig und diszipliniert ab. Schießereien, gebrochene Nasen und Rippen sind normal, aber es gibt nie einen ernsten Streit.

ll: Kramer & Houston sind bekannt für aberwitzige Coverversionen wie zum Beispiel die Ramones-Nummer „Sheena Is A Punkrocker“. Wie diskutiert Ihr Eure Song-Auswahl? Mit dem Colt?

Kramer: He! (wird lauter) Bist du schwerhörig? Was habe ich gerade erzählt? Natürlich gibt es diese Auseinandersetzungen. So, wie in jeder anständigen Familie. Aber sobald einer getötet wird, vertragen wir uns wieder.

Houston: Wir diskutieren grundsätzlich nur, wenn wir betrunken sind, spätestens am nächsten Tag ist dann alles wieder gut.

Kramer & Houston live

Things became extraordinarily special: Kramer & Houston live

ll: Country music will never die – bedeutet das auch, dass Kramer & Houston noch eine lange Karriere vor sich haben und mit ihrer Musik älter werden? Wo seht Ihr Euch in zehn Jahren?

Kramer: In zehn Jahren möchte ich Country-Versionen japanischer Spielekonsolen-Songs machen, begleitet von den Wiener Symphonikern – live und nackt auf dem Petersplatz in Rom.

Houston: Damit will Kramer sagen, dass er sich dann schon wieder in einer anderen sphärischen Erscheinungsform, beziehungsweise einem neuen Interdelfinarium befinden wird. In Wirklichkeit werden wir natürlich nicht älter, es verändert sich nur das Umfeld. Das kann man ja an der Entwicklung des Wilden Westens sehr gut beobachten…

ll: Jetzt, wo Johnny Cash tot ist, hat Rick Rubin wieder jede Menge Zeit. Wie stellt Ihr Euch die Zusammenarbeit vor?

K: Ich glaube, der Typ hat immer was übrig für innovative Ideen. Zum Beispiel eine CD voller Country-Versionen japanischer Spielekonsolen-Songs, begleitet von den Wiener Symph… (wird von Houston unterbrochen)

H: Es geht weg, wenn wir ihm etwas indianischen Pferdedung unter die Nase halten, Moment…

ll: In Eurer ersten Inkarnation als Kamerun News wart Ihr für Eure 17 stündigen Non-Stop-Gigs berühmt-berüchtigt, und während Eurer Auftritte verschwanden auf mysteriöse Art und Weise Haustiere und Töchter. Was haben wir von Kramer & Houston am Kulturkiosk zu erwarten?

Kramer: (sehr laut) Yeeeeeehaaaaa!!! GOOD GLORY HALLELUJAH! Get ready for some outstanding, rumbling tumbling gigantic hankypanky extraordinary… Well, just come over, listen, relax and have a beer. See ya!

Houston: Bitte nicht wieder mit komischen Sachen nach unserem Bassisten werfen – er hat’s schwer genug nach seinem Unfall.

Nicht verpassen:

Kramer & Houston überfallen am 24. Juni den KULTURKIOSK von langeleine.de, stöpseln ihre Pickups an die Gitarren, zelebrieren Country, Western & Gasoline und geben die Highlights ihrer 170-jährigen Bandgeschichte zum Besten.

Unbedingt ansehen:
Kramer & Houston-Video „Taxi to the Graveyard“

Kramer & Houston im Netz:
www.myspace.com/kramerhouston

(Fotos: Pressefotos)

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Kategorien: Menschen, Musik

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