Henning Chadde
20. Juni 2011

„Wie ich meine Themen finde? Ganz gut!“

Mit einem Best Of feiert Der Kulturkiosk am 24. Juni sein fünfjähriges Jubiläum. Mit dabei ist der hannoversche Autor und Kurzgeschichten-Jongleur Peter Märtens. Ein Interview

Peter Märtens

Aufmerksamer Beobachter und Geschichtensammler: Peter Märtens

langeleine: Peter, Du boxt und liest ja nun schon seit vielen Jahren im hannoverschen Literaturzirkus mit. Wie schätzt Du die Hannoversche Szene ein beziehungsweise was schätzt Du an ihr – und was weniger?

Märtens: Ehrlich gesagt kenne ich nur die hannoversche Literaturszene. Anfänglich ist mir aufgefallen, dass hier wenig Konkurrenz unter den Literaten herrscht, eher, dass sie sich gegenseitig supporten. Später habe ich auch andere Erfahrungen machen müssen. Nichtsdestotrotz denke ich, dass man in Hannover ein angenehmes Autorenleben führen kann, ich meine nicht wirtschaftlich sondern eher dass man sich ganz gut aufgehoben fühlt – unter Freunden ist.

ll: Dein Herz gehört ja der kurios angelegten Kurzgeschichte mit durchaus nachhaltigem und auch ernstem Abgang. Gibt es literarische Vorbilder, die Dich besonders inspirieren?

Märtens: Nein, Vorbilder habe ich keine, hatte ich auch noch nie. Was mich inspiriert sind Leute und ihre Lebensweisen, mit denen ich mich auseinandersetze. Ich versuche die Welt zu begreifen, was mir aber nicht gelingt. Deswegen versuche ich es mit Humor zu nehmen, jedenfalls manchmal. Zeitgenössische Autoren, von denen ich mehr als vier oder fünf Bücher im Regal stehen habe sind Wilhelm Genazino, Haruki Murakami, Arnon Grünberg und Markus Werner.

Märtens liest

Peter Märtens in (Lese-)Aktion

ll: Ein kurzer Einblick in den Schreiballtag von Peter Märtens: Wie sieht Dein Schreibprozess aus und wo und wie findest Du Deine Themen?

Wie ich meine Themen finde? Ganz gut! Aber im Ernst: Die Ideen kommen einfach vom Himmel, manchmal in ganz ungeeigneten Augenblicken. Dann schreibe ich schnell ein paar Stichworte auf und manchmal wird daraus ein Text. Man sollte sich nicht vorstellen, dass ich mit einer Depression und einem Glas Rotwein vor meiner Olivetti sitze. Ich schreibe meine Geschichten auf Papier und in eins durch, also sechs, sieben Stunden am Stück. Dann tippe ich sie in den Rechner und bearbeite sie in den kommenden Wochen mehrmals. Das ist eigentlich das Schönste, das Feilen an der Story.

ll: Neuerdings bist Du ja auch mit dem Lesungs- und Musik-Projekt „World Of Lovecraft“ zusammen mit dem Bassisten Alexander Tripitsis aktiv. Was steckt dahinter und was schätzt Du an der Kombination „Text begegnet Musik“?

Märtens: Ich habe Alexander kennengelernt, als er einen durchgeknallter Berliner Lyriker musikalisch begleitete. Die Lesung/das Konzert war spontan aufgeführt worden und ich war begeistert von den innovativen Fähigkeiten des Musikers. Bei der selben Veranstaltung hat er mich lesen hören. Bei einem Getränk an der Bar kam es schnell zur Fusion. Es ist einfach schön, wenn sich Töne um die Worte winden, dem Text Leichtigkeit, Schwere oder was auch immer geben.

Peter Märtens am Mikrofon

Peter Märtens – immer noch in (Lese-)Aktion

ll: Du liest ja nun bereits zum zweiten Mal beim Kulturkiosk – diesmal in der ehrenvollen Leserolle bei unserem Best Of zum Fünfjährigen. Was bedeutet der Kulturkiosk für Dich?

Märtens: Beim ersten Kulturkiosk habe ich mich verliebt, also war der auf jeden schon mal in guter Erinnerung. Es freut mich natürlich auch, dass ich beim Best Of dabei sein darf. Meistens kann ich hinterher mehr vom Backstage erzählen als von der Party selbst, man kommt da einfach nicht weg. Trotzdem habe ich schon so manche künstlerische Überraschung beim Kiosk entdeckt, weil er eben nicht unbedingt Mainstream bedient, was gut ist. Außerdem gibt es immer (bunte) Tüten.

ll: Was können die geneigten Zuhörer von Peter Märtens beim Kulturkiosk erwarten?

Märtens: Vor und nach der Lesung angenehme Gespräche. Und währenddessen? Hm, das Programm steht noch nicht. Ich versuche immer zu unterhalten und trotzdem nicht flach zu sein, das ist ein schmaler Grad. Warum sollte ich nicht zum Best Of Kiosk ein Best Of Märtens machen? Außer Kriminalgeschichten ist eigentlich alles möglich.

ll: Ja, warum eigentlich nicht? Vielen Dank für das interessante Gespräch, Peter.

Nicht verpassen:

Peter Märtens liest am Freitag, dem 24. Juni, am KULTURKIOSK von langeleine.de und gibt einen nachhaltig tiefen Einblick in sein Kurzgeschichten-Universum am unwahrscheinlichen Rande der literarischen Vorstellungskraft.

(Fotos: Pressefoto (1), Susanne Haupt (2,3))

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Kategorien: Literatur, Menschen

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