Jörg Smotlacha
22. September 2011

„Das ist wie Magie“

Robert Schaper und Joanna Bini Eda sehen Kunst als etwas sehr Experimentelles und Persönliches. Beim Kulturkiosk von langeleine.de eröffnen die beiden Künstler ihre neue Ausstellung und zeigen Malereien und Zeichnungen

Joanna Bini Eda und Robert Schaper

„Freie Kunst“ als Programm: Joanna Bini Eda und Robert Schaper

Joanna Bini Eda und Robert Schaper haben einiges gemeinsam, obwohl sie betonen, dass sie in ihrem Schaffen eher Einzelgänger sind. Die beiden Hannoveraner sind sich vor drei Jahren an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig über den Weg gelaufen und haben neben einigen Sammelausstellungen mit anderen Künstlern auch bei einer Projektarbeit zusammengearbeitet. Dass die beiden ihre neuesten Werke nun gemeinsam beim Kulturkiosk von langeleine.de ausstellen, war für das Künstlerduo nur ein kleiner Schritt. Für langeleine.de ist es eine besondere Freude, denn Robert Schaper war bereits vor fünf Jahren bei der allerersten Abendveranstaltung des langeleine-Teams der erste künstlerische Gast.

Robert Schaper

Robert Schaper, ohne Titel, 2011 (Ausschnitt)

Figürlich vs. abstrakt

Während Joanna Bini Eda Mixed-Media-Techniken benutzt und Malereien zeigen wird, die sich mit Zeichnungen zu einer Einheit verbinden, wobei sie Acryll- und Pastellfarben, Öl-Kreide und Filzstifte verwendet, hat Robert Schaper mit schwarzen Filzstiften auf lackiertem Papier und MDF-Platten gearbeitet. Die Werke, die die beiden in ihrer aktuellen Ausstellung im Café Siesta präsentieren, sind sämtlich erst in den vergangenen beiden Monaten entstanden und fügen sich zu einem erstaunlich homogenen Ganzen, wobei Bini Eda eher figürlich arbeitet, Schaper hingegen abstrakt.

Joanna Bini Eda

Joanna Bini Eda, ohne Titel, 2011

Von Schwerkraft und Zerfall

Schaper, der sich mit Kunst auseinandersetzt, seit er denken kann, ist zunächst autodidaktisch an sein Schaffen herangegangen, dann hat er durch sein Kunststudium in Braunschweig Gleichgesinnte getroffen, worüber er heute sehr froh ist: „Das Studium ist eine gute Schulung fürs Auge, die freie Entscheidung aber bleibt“. In seinen Malereien und Zeichnungen lotet Schaper den Bereich zwischen realen und fiktiven Strukturen aus. Sie handeln von Schwerkraft, Bewegung, Zerfall und ähnlichen Dingen. Dabei ist Schwarz-Weiß für ihn eine sachliche Art und Weise, emotionale Begebenheiten auszudrücken.

Robert Schaper

Robert Schaper, ohne Titel, 2011 (Ausschnitt)

„Kunst ist immer da“

„Ich lebe in einer Bilderwelt“ sagt Bini Eda, die „von der Straße in das Kunststudium gestolpert“ ist, aber ebenfalls seit ihrer frühen Jugend nichts anderes machen mochte, außer Kunst: „Kunst ist meine Arbeit und ist immer da.“ In ihren Werken geht es um Experimente, Selbstversuche und innere Energien, die in eigener Sprache, im Erzählen von Geschichten und mit Gebrauch von althergebrachten Symbolen zum Ausdruck kommen, wobei die Künstlerin betont, dass auch die klar erkennbaren Motive immer verschlüsselt seien. Bini Edas künstlerisches Spektrum reicht dabei vom analogen Trickfilm über Installation bis zur Malerei und Zeichnung. Die Vielfältigkeit von Material und Arbeitsweisen ist ihr eine Herausforderung.

Joanna Bini Eda

Joanna Bini Eda, ohne Titel, 2011

„Ich mag Bilder, bei denen man nicht gleich sieht, wie sie gemacht sind“

Beide Künstler haben in ihren Werken persönliche Inhalte und Geschichten verarbeitet, die sich nicht sofort auf den ersten Blick erschließen – erst recht, weil jeder Betrachter verschieden ist und so eine individuelle Interpretation hat. „Kunst machen ist ein bisschen wie Träumen. Man macht Sachen, die man erst später erkennt“, sagt Schaper, der neben seiner Tätigkeit als Künstler als Nachtwache in einer Schwerstbehinderten-Wohngruppe arbeitet. Joanna Bini Eda stimmt ihm zu, sie ist ebenfalls der Meinung, dass es Zeit braucht, um zu erkennen, was auf den Bildern der beiden zu sehen ist: „Ich mag Bilder, bei denen man nicht gleich sieht, wie sie gemacht sind. Das ist wie Magie.“

Nicht verpassen:

Am Freitag, dem 23. September, zeigen Robert Schaper und Joanna Bini Eda beim Kulturkiosk eine Auswahl ihrer neuesten Malereien und Zeichnungen. Ihre Ausstellung ist noch bis zum 12. Dezember im Café Siesta im Kulturzentrum Faust zu sehen.

(Fotos: Joanna Bini Eda und Jörg Smotlacha)

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Kategorien: Kunst, Menschen

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