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„Der Kaffee hat mich gefunden, nicht ich den Kaffee“

von Heike Werner      Dienstag, 14. Juni 2005

Das “S. Rossi” ist seit Oktober 2003 eine kleine Oase in Hannover-Limmer. Cem Selek hat sich mit dem Café einen Traum erfüllt.

„Kaffee kochen ist was fürs Leben“, sagt Cem Selek und zieht genüsslich an seiner selbst gedrehten Zigarette. Drei Jahre hat es gedauert, bis er im Oktober 2003 seinen Traum vom eigenen Café verwirklichen konnte. Seitdem gibt es das „S. Rossi“ in Hannover-Limmer. „Ich habe den Laden eröffnet und lebe seitdem davon“, erzählt der 33-Jährige stolz.

Cem Selek

Cem Selek ist stolz auf sein Café.

Genauso wie das Konzept des Ladens funktioniert das Nebeneinander der unterschiedlichen Gäste. Herta ist Mitte 80 und kommt jeden Tag mit ihren Damen Hilde und Bärbel zu Cem. Zwischen den Fotografien an den hellen Wänden genießen aber auch Studenten und Mütter mit Kindern die Oase in dem kleinen Stadtteil zwischen Linden und Ahlem.

Durch Zufall zum Kaffee

Früher war Cem alles andere als leidenschaftlicher Kaffeekocher. Nach der Schule studierte er Architektur. Promotionjobs und Thekendienst in einer Disco hielten ihn finanziell über Wasser. „Ich habe auch schon bei Gysi Schuhe verkauft“, erzählt Cem.

Zum Kaffee gelangte er durch Zufall. „Ich kam aus dem Urlaub und wusste, dass ich einen neuen Job brauche. Zwei Tage später habe ich Stefan getroffen, dem das Café Mobil gehört.“ Das knallrote Gefährt mit der Kaffeemaschine auf der kleinen Ladefläche sieht man hauptsächlich auf Wochenmärkten aber auch auf Großveranstaltungen. Stefan suchte gerade Verstärkung. So hat Cem mehr als zwei Jahre von einem Vespa-Roller aus die Marktbesucher mit Kaffee versorgt. „Der Kaffee hat mich gefunden, nicht ich den Kaffee“, betont er.

Cems Anspruch: Bewusst Kaffee kochen

Ähnlich wie das Café Mobil ist Cems „Laden“ ein Ein-Mann-Betrieb. Zeit für Hobbys bleibt wenig. „Ich klimper’ ein wenig auf meiner Gitarre herum, gehe viel spazieren und schreibe nach wie vor Tagebuch“, erzählt er. Er hat auch ein Gedicht veröffentlicht. Kleinere Kurzgeschichten hat er aber nur für sich verfasst. „Ich möchte nicht von Veröffentlichungen abhängig sein, sondern frei sein zum Schreiben“, betont Cem und streicht sich durch das kurze gelockte braune Haar.

Kaffee mit Herz

Kaffee mit Herz - einmalig in Hannover.

Cems Spezialität ist das Verzieren des Kaffees. Egal ob Café au lait oder Latte Macchiato, jeder Gast bekommt sein Getränk mit einem Herz verziert serviert. Mit Milchschaum aus der Kanne und „einer ganz bestimmten Haltung“ malt Cem ohne Schablone kleine Bilder: „Im Moment übe ich Blumen, jeden Tag eine bestimmte Form.“ Auf diese Kunstwerke ist der zurückhaltende junge Mann mit den großen runden Augen besonders stolz. „Etwas zu können, was keiner in der Stadt macht, verpflichtet mich, an mir zu arbeiten und ganz bewusst Kaffee zu kochen“, erklärt er und dreht sich die nächste Zigarette.

Etwas für’s Gemüt

Bewusstes (Er-)leben teilt Cem mit seinen Gästen. Er behandelt seine Gäste, wie er es selbst gern mag: „Ich brauche niemanden, der mich alle viereinhalb Minuten fragt, ob ich noch was trinken will. Ich bin schon groß und kann meine Wünsche äußern.“ Manchmal reicht da ein Blick. Seine Stammkunden wissen diese Ruhe und die originellen Getränke zu schätzen. „Es ist wahrlich der beste Kaffee der Stadt“, steht im Gästebuch. Cems liebevoll servierte Spezialitäten schmeicheln aber nicht nur dem Gaumen. Sie sind auch etwas fürs Gemüt. „Einmal ist einer schlecht gelaunt reingekommen und freundlich wieder rausgegangen“, erzählt Cem. Mit dem entsprechenden Selbstbewusstsein funktioniert das Konzept. „Manchmal denke ich mir, dich kriege ich auch noch dazu, zu mir freundlich zu sein, weil ich weiß, dass ich gute Arbeit leiste“, sagt Cem. Das klappt in den meisten Fällen.

Trotz positiven Feedbacks und obwohl Cem zurzeit im Kaffeekochen seine Bestimmung sieht, ist der Laden nur eine Station in seinem Leben. Es sollen noch viele folgen. „Aber im Moment ist es genau der richtige Platz für mich“, sagt Cem und lehnt sich entspannt auf dem gelb lasierten Holzstuhl zurück. Ein großer Traum von ihm: Reisen und Schreiben. Die Spuren seines Vaters in Istanbul möchte er gern ergründen und mindestens ein Jahr in der Türkei leben. Denn die kennt Cem bisher nur als Tourist.

(Fotos: Heike Werner)

4 Kommentare zum Artikel
“„Der Kaffee hat mich gefunden, nicht ich den Kaffee“”

Ati schrieb am Donnerstag, 16. Juni 2005, 16:52

oh, lecker …. “heike”

Dari schrieb am Freitag, 17. Juni 2005, 10:52

Haste toll geschrieben, Honey.

Tim schrieb am Freitag, 17. Februar 2006, 21:02

LECKER!!! Super KaffeeKultur! Bester italienischer Kaffee in Hannover wenn nicht sogar über die Grenzen hinweg. Jemand der gerne einen wirklich guten Milchkaffee trinkt ist bei Cem bestens aufgehoben. Da ich glücklicherweise um die Ecke wohne, komme ich täglich in den Genuß seiner KaffeeKunst. Viel Erfolg Cem, und weiter so …. Also bis morgen wieder :)

jonny schrieb am Dienstag, 22. Dezember 2009, 02:31

Obwohl der Laden sehr versteckt ist, gibt es ihn immer noch!
Er ist einfach der nicht ganz geheime Geheimtipp für guten Cappu, latte, etc.
Cem merkt man sowohl an den Werken die er in die Tasse bringt als auch an seiner Einstellung zu Kaffee an, dass er das was er tut aus Überzeugung macht, und zwar gut.
Und fürs selber brauen gibt’s Omkafe als ganze Bohne oder gemahlen zu kaufen.

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