Henning Chadde
7. November 2011

Der mit den Zwergen tanzt…

Seitenansicht: „Frerk, Du Zwerg!“ von Finn-Ole Heinrich

Frerk, die Zwerge und ein riesiger irischer Wolfshund: „Frerk, Du Zwerg!“, Buchcover

Frerk hat es nicht einfach. Nicht nur, dass sich sein Name wunderbar auf „Zwerg“ reimt und ihn infolgedessen alle Mitschüler ständig „Frerk, Du Zwerg!“ rufen, obwohl er genau gesehen nur der Zweitkleinste – und Drittschwächste – in seiner Schulklasse ist. Nein, auch der Umstand, dass seine Mutter ihrer Aussage nach „hochallergisch“ auf alles reagiert, was Spaß macht und zu einem handelsüblichen wilden Kinderleben dazugehört, lässt Frerk so einiges verpassen, was sich der kleine Racker eigentlich sehnlichst wünscht. Schokolade, Spielgäste im Haus, Ausflüge, Haustiere oder coole Klamotten – alles Fehlanzeige. Vielmehr kleidet seine Mutter Frerk morgendlich akkurat mit Stoffhosen voller Bügelfalten, Hemd und Pullunder, so dass Frerk als passgenaues Abbild seines Vaters in die Wertung kommt, statt ein vernünftiges Eigenleben zu führen. Nein, Frerk hat es nicht leicht. Kein Wunder, dass er sich nichts sehnlicher wünscht, als einen Hund. Einen riesigen irischen Wolfshund. Zum Reiten, Umhertollen, Liebhaben und als Freund. Dass oftmals alles anders kommt, als man es sich wünscht, das hat Frerk schon öfters erfahren müssen. Dass es manchmal aber noch viel, viel besser, weil total anders kommt, erfährt er schließlich, als er ein seltsames, strahlend-buntbetupftes Ei findet, in dem es rumpelt und pumpelt und knackt und kracht und das doch tatsächlich ürplötzlich ein Fell bekommt. Zuerst denkt Frerk: „Super, vielleicht doch ein Wolfshund!“, doch als das Innenleben des Eis schließlich entschlüpft, sieht er sich verdutzt fünf wildgewordenen, daumengroßen Zwergen gegenüber, die sein bisheriges Leben gehörig auf den Kopf stellen. Eines ist klar: Ab jetzt ist nichts mehr, wie es war…

Mit „Frerk, Du Zwerg!“ hat der Hamburger Autor und Filmemacher Finn-Ole Heinrich sein erstes Kinderbuch vorgelegt. Und fast ist man versucht zu sagen: „Und was für eines!“ Heinrich weiß seine kleinen Leser mit einem überbordenden Ideenreichtum und einer liebevoll-selbstbewussten Sprache zu begeistern und äußerst überraschend mitzunehmen und entführt auch die älteren, potentiellen Vorleser auf verwunschen schöne Ausdruckspfade, führt sie hinters Licht und macht uns alle ein ums andere Mal selbst kindlich staunen. Seine beeindruckende Gesamtwirkung erhält „Frerk, Du Zwerg!“ nicht zuletzt durch die überaus vielschichtigen und detaillierten Illustrationen der isländischen Malerin und Zeichnerin Rán Flygenring, die mit ihren sympathisch-abgedrehten Bilderwelten auf absoluter Augenhöhe mit Heinrich agiert und der ohnehin „überbordenden“, fast unglaublichen Geschichte einen treffenden gestalterischen Heimathafen beschert. Beeindruckend. Und sehr zu empfehlen. Wie gesagt: Nicht nur für den kleinen Leser…

Finn-Ole Heinrich: „Frerk, Du Zwerg!“, Kinderbuch, Illustrationen von Rán Flygenring, 95 Seiten, Bloomsbury, ISBN-13: 978-3827054760, 16 Euro

„Seitenansicht“ erscheint in Kooperation mit der Buchhandlung Decius.

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Kategorien: Literatur

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